Der Gemeindeausflug am 5. Oktober 2024 führte uns ins schöne Bad Boll, zunächst ins Kurhaus, wo wir im Kirchsaal der Herrnhuter Brüdergemeine einen interessanten Vortrag von Schwester Dorothea Weller verfolgten. Sie sehen auf unseren Fotos, dass der Kirchsaal in seiner Schlichtheit durchaus auch reformiert sein könnte: Es ist alles sehr einfach gehalten, die bevorzugte Farbe der Herrnhuter ist ein strahlendes Weiß. Unsere Gruppe fühlte sich dort auf Anhieb wohl.
Die Herrnhuter Brüdergemeine, auch bekannt als „Evangelische Brüder-Unität“, ist eine christliche Glaubensgemeinschaft, die im 18. Jahrhundert unter der Leitung des deutschen Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf entstand. Sie hat ihre Wurzeln in der böhmischen Reformation, die auf Jan Hus zurückgeht, und sieht sich als Teil der protestantischen Tradition. Wir hörten, dass die Brüdergemeine großen Wert auf Gemeinschaft legt, ein einfaches christliches Leben und aktiven Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit. Bekannt ist sie für ihre Missionsarbeit und diakonischen Dienste weltweit, aber auch für eine besonders gelebte, persönliche Frömmigkeit. Die Mitglieder der Brüdergemeine bekennen sich zu einem Leben in der Nachfolge Jesu Christi und verstehen die Gemeinschaft als "Brüder und Schwestern", die sich gegenseitig unterstützen. Die Herrnhuter sind auf der ganzen Welt vertreten, das war den meisten von uns nicht so bewusst.
Sie sind zudem bekannt für ihre charakteristischen Losungen, tägliche Bibelverse, die zur Andacht und Orientierung im Alltag dienen, sowie für die schönen Herrnhuter Sterne, die traditionell zur Weihnachtszeit als Symbol des Lichts und der Hoffnung verwendet werden. Die Losungen stehen z. B. aktuell schon bis zum Jahr 2027 fest!
Die Herrnhuter Brüdergemeine in Bad Boll ist Teil der weltweiten evangelischen Brüder-Unität. Die Gemeinde in Bad Boll entstand ab 1817, als die Herrnhuter hier ein Sanatorium gründeten. Das Haus wurde bald ein Ort für Menschen, die auf der Suche nach Erholung und geistlichem Zuspruch waren. Unter dem Einfluss des ganzheitlichen Ansatzes der Brüdergemeine verband das Sanatorium christliche Spiritualität mit moderner Medizin und Pflege.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Herrnhuter Brüdergemeine in Bad Boll zu einem aktiven Gemeinde- und Bildungszentrum. Sie bietet heute Seminare, Tagungen und spirituelle Angebote an, die Themen wie Seelsorge, diakonisches Engagement und christliche Lebensgestaltung umfassen. Das Gästehaus der Brüdergemeine ist ein beliebter Tagungs- und Erholungsort.
Auch die Brüdergemeine in Bad Boll legt besonderen Wert auf Gemeinschaft, Glaube und sozialen Einsatz und ist ein Ort der christlichen Begegnung und Bildung.
Nach dem Vortrag von Schwester Dorothea Weller fand ein gemeinsames Mittagessen in der Evangelischen Akademie Bad Boll statt. Gestärkt nach dem leckeren Essen spazierte man gemeinsam zum etwas außerhalb Bad Bolls liegenden Friedhof, der von den Herrnhutern als „Gottesacker“ bezeichnet wird. Auf dem ersten Teil dieses Gottesackers sind die Mitglieder und Nachfahren der in Bad Boll sehr bekannten Familie Blumhardt bestattet. Es gibt sehr Interessantes über diese Familie zu berichten, googeln Sie es gerne bei Interesse, es würde hier den Rahmen sprengen.
Auf dem hinteren, größeren Teil des Friedhofs sind die Herrnhuter Gemeinemitglieder bestattet. Es gibt ältere Grabplatten, die schon etwas verwittert und grau sind, auf den neueren Gräbern befinden sich weiße Grabplatten. Das Ungewöhnliche für uns ist, wie Sie auch auf den Fotos erkennen können, dass auf diesem Gottesacker im Tode alle gleich sind: Es gibt keinen auffälligen oder pompösen Grabsteine, sie sind alle gleich (groß). Auch werden keine akademischen Titel der Verstorbenen verwendet, ebenfalls ein Zeichen, dass im Tode alle gleich sind. Beerdigt wird in Reihenfolge, auch Eheleute, die ja meistens nacheinander versterben, liegen somit nicht zusammen. Der Verstorbene selbst hat einen Psalm, eine Bibelstelle ausgesucht, die auf dem Grabstein zu lesen ist. Die Trauerrede, die meistens ein Angehöriger hält, wurde vom Verstorbenen selbst geschrieben, darauf wird sehr großen Wert gelegt, wie uns Schwester Dorothea Weller berichtete. Auch die Farbe Weiß hat im Tode noch eine Bedeutung für das verstorbene Mitglied der Herrnhuter Brüdergemeine: Der Sarg hat diese Farbe. Auf dem Gottesacker verabschiedeten wir uns von Schwester Dorothea Weller und bedankten uns bei ihr für ihren Einsatz. Wir trafen uns dann noch als Gruppe im „Café Auszeit“, wo wir bei Heißgetränken, leckerem Kuchen und netten Gesprächen den schönen Tag ausklingen ließen.